Warum Inklusion?

Ein Freitagabend im September. Die Sommerpause ist vorbei und die Vorstellung an der Schaubühne am Lehniner Platz ausverkauft. Man sieht ein wunderbares Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit, erbaut Ende der 20er Jahre. Beim Vorbeigehen könnte man denken, dies sei ein hipper Ort für junge Leute. Das Café ist voll von ihnen. Manches wird geredet, das meiste nicht über Theater.

Dienstagabend. Am Eingang vor den breiten Treppen der Berliner Volksbühne stehen hundert jugendlich wirkende Menschen. Sie haben keine Scheu, von Versatzstücken von Theorien erschlagen zu werden, die sie hier auf der Bühne zu hören bekommen. Unter ihnen sind ebenfalls einige ältere, Typ Rundfunkredakteur, und auch Jürgen Trittin will heute Abend das Stück sehen. Alle sehen leger aus, dennoch elegant.

Am Samstagabend trifft man viele Menschen im Foyer des Deutschen Theaters. Das Publikum ist etwas gesetzter, die Intendanz bemüht sich, dass für alle etwas dabei ist. Die Atmosphäre ist gut, wenngleich etwas förmlicher als am Dienstag. Die Gäste erwarten einen ansprechenden Abend und stören sich nicht daran, für die Garderobe zu bezahlen.

Schließlich Sonntag: Das Berliner Ensemble empfängt sein Stammpublikum – herausgeputzte parfümierte Damen, dazu etwas geknickt dreinschauende Herren. Der Saal ein Prunkstück erster Güte mit Logen wie zu Kaisers Zeiten, sogar der preußische Adler fehlt nicht über den Balkonen. Ein ehrwürdiges Gefühl.

Man könnte vieles finden, was diese vier großen Berliner Theaterhäuser von einander unterscheidet. Eines aber haben sie sicher gemeinsam, nämlich die Leidenschaft für die wunderbare Kunstform Theater, die den Intellekt herausfordert genau wie die Sinne, deren Schwere nur noch von ihrer eigenen Verspieltheit übertroffen wird.

Aber noch eine andere Sache haben diese Theater leider gemeinsam. Man findet in ihnen nicht Leute wie Paul und Lisa. Pauls und Lisas Einkommen ist so gering, dass sie Gäste von KulturLeben Berlin sein dürfen. Durch KulturLeben Berlin können all jene überhaupt Karten bekommen, die vom künstlerischen Hochbetrieb regelmäßig vergessen werden. Es sind all jene, die bisher nichts mit dem Theater dieser vier Häuser zu tun haben, die sich, obwohl demgegenüber durchaus nicht völlig verschlossen, schon lange damit eingerichtet haben, nicht dazuzugehören. Wer nicht sozial integriert ist, ist eben auch nicht kulturell integriert – und umgekehrt.

Was unterscheidet eigentlich Paul und Lisa von den Gästen im Theater, den hippen Jugendlichen, den Intellektuellen, den älteren Herrschaften, oder Jürgen Trittin? Können sie sich einen Besuch nicht leisten? Nein, nicht so richtig. Haben sie Angst vor den parfümierten Damen, oder Vorbehalte gegenüber der nicht immer leicht fassbaren Kunstsprache des Theaters? Manchmal. Aber sind sie von Grund auf „unkultivierter“ als die anderen, schlicht „ungeeignet für Kunst“ – hoffnungslose Fälle also, sodass es nur gerechtfertigt ist, dass sich keiner von ihnen in diese Stätten der sogenannten „Hochkultur“ verirrt?

Nein, wir sind überzeugt, dass Paul und Lisa, wie allen anderen, ein fester Platz in den Sälen der Berliner Häuser gebührt. Sie vermögen  Theatergenießer wie alle anderen auch zu werden, wenn ihnen nur etwas Unterstützung zuteil wird – denn dies ist eine Sache der Umstände.

Diese Umstände herbeizuführen, ist ein lohnendes Ziel, denn für uns steht fest: Paul und Lisa in die einzigartige Theaterkultur ihrer Stadt zu integrieren, ist gut für sie, gut für’s Theater, und gut für unsere Gesellschaft. Wenn Sie erfahren wollen, wie genau das gehen kann, dann lernen Sie PROJEKT INKLUD kennen oder nehmen Sie Kontakt auf.